| Luftdichtheit von Dachkonstruktionen (Auszug aus "Ziegelnachrichten 2/00" AG Ziegeldach e.V.) Mit dem in der nächsten Zeit zu erwartenden Energieeinsparungsgesetz erhält die luftdichte Gebäudehülle eine noch größere Bedeutung als ihr zur Zeit im Zusammenhang mit der Wärmeschutzverordnung zugemessen wird. Grundlage für die Planung und Ausführung ist zur Zeit die Vornorm DIN V 4108-7 Wärmeschutz im Hochbau, Teil 7, Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüssen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele vom 8. Juli 1998. Auffällig ist der Begriff Luftdichtheit, der offensichtlich so gewählt wurde, um eine Unterscheidung zur Winddichtigkeit zu erreichen. Die Abb. 1 und 2 zeigen den grundsätzlichen Unterschied zwischen der Lage und der Funktion der Winddichtung und der Luftdichtheitsebene. Die Abb. 3 zeigt die Druck- und Sog-Verhältnisse an einem Gebäudeprofil. Die winddichte Schicht liegt naturgemäß außen unter der Eindeckung. Sie soll das Einströmen von Luft von außen in das Gebäudeinnere unterbinden, in den Sogbereichen aber auch in umgekehrter Richtung. Winddichte Schichten sollten dampfdurchlässig sein, damit Feuchtigkeit aus der Konstruktion ausdiffundieren kann. Ausnahme: wasserdichtes Unterdach. |
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| Abb. 1: Winddichtheitsebene | Abb. 2: Luftdichtheitsebene | Abb. 3: Winddruck- (+) und Windsogsituation (-) auf ein geschlossenes Gebäudeprofil einwirkend |
Die Winddichtungsebene ist im Regelfall einfacher einzubauen als die Luftdichtheitsebene. Sie hat die Funktion, die Konstruktion von Außenwand/Dach feuchtefrei zu halten, verhindert ein Hinterströmen der Wärmedämmung und schützt vor Eindringen kalter Außenluft in strömungsoffene Wärmedämmstoffe (z. B. Mineralfasern). Luftdicht eingebaute Dampfbremsen können gleichzeitig als Luftdichtheitsschicht oder -ebene wirken. Feuchtigkeit in der Konstruktion (1) Feuchtigkeit bewirkt innerhalb der Konstruktion eine Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit der Baustoffe. Gleichzeitig ist sie insbesondere bei Holzbauteilen die Voraussetzung für das Wachstum von holzzerstörenden Pilzen und schafft Lebensbedingungen für holzzerstörende Insekten. Das Eindringen von Feuchtigkeit in die Konstruktion kann auf drei Arten geschehen:
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Abb. 4: Wasserdampfdiffusion aufgrund unterschiedlicher Druckverhältnisse Abhilfe: Dampfbremse bzw. -sperre |
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Abb. 5: Wasserdampfkonvektion in das Bauteil infolge verletzter Luftdichtheitsschicht | |
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Abb. 6: Wasserkondensation bei Temperaturabnahme der Luft | |
Im Vergleich zur langsamen Wasserdampfdiffusion wird bei der Wasserdampfkonvektion innerhalb kurzer Zeit das Tausend- bis Zehntausendfache an Feuchtigkeit in das Bauteil transportiert. Die meist nur örtlich begrenzt auftretenden enormen Feuchtebelastungen können durch Ausdiffundieren nicht ausgeglichen werden, es entstehen unweigerlich Wasseransammlungen und Folgeschäden. Die Abb. 6 zeigt wie viel Wasser aus der Raumluft herauskondensiert, wenn die Temperatur von z. B. 20° C auf 0° C herabgesetzt wird. Bei einem Durchschnittswohnraum von 40 m3Rauminhalt ist dies immerhin 1/2 l Wasser. Bei konventionellen Hüllkonstruktionen konnte sich dieses Kondensat z. B. an einfachverglasten Fenstern niederschlagen oder über saugfähige Putzflächen temporär aufgenommen werden. Die Luftundichtheit und mangelnde Winddichtung sorgten dafür, dass die Feuchte schnell wieder abtrocknete. Moderne Konstruktionen, die darauf ausgerichtet sind, Lüftungswärmeverluste zu minimieren und unkontrollierten Luftaustausch zu verhindern, sind in höchstem Maße darauf angewiesen, ihre Hüllkonstruktion vor eindringende Feuchte zu schützen. |
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Dies gilt für Neubauten gleichermaßen wie auch für Bestandsveränderungen und genau an dieser Stelle kommen eine Reihe von Zweifeln auf:
Die nachstehenden Abbildungen sollen verdeutlichen, dass eine differenzierte, auf den jeweiligen Fall bezogene Vorgehensweise Sinn macht. |
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| Abb. 7: Komplexe Dachkonstruktion mit vielfältigen Anschlüssen, Durchdringungen etc. | ||
Dachgestühle des Gebäudebestandes in Form von Pfettendächern, stehenden und liegenden Formen sind für den nachträglichen Ausbau zu Wohnzwecken mehrfach problematisch (s. Abb. 7) und finden sich in den eher theoretischen Ansätzen der DIN nicht wieder:
Die Abb. 8 bis 10 zeigen weitere für die Herstellung der Luftdichtheitsschicht problematische Dachkonstruktionen des Bestandes. |
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Abb. 8: Pfettenkonstruktion | |
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Abb. 9: Pfette und Zange | |
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Abb. 10: Komplexe Abseite | |
Die Abb. 11 veranschaulicht auch für den Neubaubereich in schematischer Form die jeweils optimale Lage für die Luftdichtheitsebene:
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| Abb. 11: Schematische Darstellung zur Lage der Luftdichtheitsebenen |
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| Nicht nur im Bereich von Dachdurchdringungen können Luftundichtigkeiten auftreten, auch im Übergangsbereich Mauerwerksabschluss/Dachkonstruktion ergeben sich insbesondere bei konventioneller Herstellung Fugen, unregelmäßige Flächen mit Hohlraumbildung etc. (s. Abb. 12) | ||
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Abb. 12: Potentielle undichte Stellen | |
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Abb. 13: Dach-Innenwand-Anschluss | |
Abhilfe schafft hierbei das Prinzipdetail aus dem Beiblatt 2 zur DIN 4108 Wärmebrücken, 1998. Wenn Mauerabschlüsse in dieser Form umhüllt werden und die Luftdichtheitsanschlüsse funktionieren, kann von einer nachhaltigen Lösung ausgegangen werden. Ausführung In der DIN 4108-7 finden sich unter Ausführung folgende Hinweise: Beim Herstellen der Luftdichtheitsschicht ist auf eine sorgfältige Ausführung der Arbeiten aller am Bau Beteiligten zu achten. Es ist zu beachten, dass die Luftdichtheitsschicht und ihre Anschlüsse während und nach dem Einbau weder durch Witterungseinflüsse noch durch nachfolgende Arbeiten beschädigt werden. Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit der Luftdichtheitsschicht hängen wesentlich von ihrer fachgerechten Ausführung ab. Die Verarbeitungsrichtlinien der verwendeten Materialien sind zu berücksichtigen. Unsere derzeitige Baustellenrealität sieht demgegenüber noch gänzlich anders aus:
Abb. 14 und 15 sollen veranschaulichen, dass Systemdetails häufig nicht unbedingt praxisorientiert entwickelt sind. |
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Abb. 14: Luftdichter Anschluss an Putzfläche | |
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Abb. 15: Luftdichter Anschluss an Rohbaufläche | |
| In Abb. 14 wird praxisfern von einem Anschluss an eine Putzfläche ausgegangen 1. Der Punkt 2 soll darauf hinweisen, dass Putzendflächen, insbesondere wo sie in unzugängliche Bereiche geführt werden, kaum geeignet sind, um als Anschlussflächen zu dienen. Folie, Kompriband, Anpressplatte, Befestigungsmittel und Befestigungsautomat sind hier gleichzeitig zu halten und anzusetzen. Die Lösung in Abb. 15 scheint schon praktikabler zu sein. Die Luftdichtheitsebene wird im Zuge der Rohbauarbeiten eingebaut, provisorisch mit einem Putzträgerband 2 befestigt und überputzt. Gefahr der Beschädigung der Luftdichtheitsebene durch die Putzerkelle bleibt aber bestehen! Eine Folienbucht herzustellen macht durchaus Sinn aber wie sieht hier die Ecklösung aus? |
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| Installationsebene Bei den nachfolgenden Innenausbauarbeiten dürfen die Bemühungen um eine luftdichte Konstruktion natürlich nicht wieder zunichte gemacht werden. Nicht selten wird die Wind- und Dampfsperre nämlich aus Unkenntnis über die komplizierten bauphysikalischen Zusammenhänge erst nachträglich verletzt. Der Einbau von Steckdosen ist hier nur einer von vielen Anlässen für mögliche Beschädigungen. Mit einer Installationsebene, die raumseitig vor der Luftdichtheitsschicht angeordnet wird, können Durchdringungen von vornherein vermieden werden (s. Abb. 16). |
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| Abb. 16: Installationsebene als Schutzbereich gegenüber der Luftdichtheitsebene |
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| Nachweis der Luftdichtheit Bisher, und auch im Zuge des erwarteten Energieeinsparungsgesetzes, ist davon auszugehen, dass es keine Verpflichtung zum Nachweis der Luftdichtheit gibt und geben wird. Tests werden demnach in der Regel auf dem Vertragswege vereinbart werden. Nach § 4 der Wärmeschutzverordnung 1995 ist die Gebäudehülle dicht zu gestalten. Als dicht gilt nach der DIN V 4108-7 vom 8. Juli 1998: wenn es
Das Blower-Door-Messverfahren selbst (zulässige Windstärken, Anordnung der Schläuche, Fehlerrechnung, Toleranzen) ist in ISO 9972 beschrieben." |
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| Abb. 17: Prinzip der Blower-Door-Prüfung |
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| Abb. 18: Beispiel einer Blower-Door-Messreihe (vor/nach Sanierung) Quelle: Martin Giebeler |
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| Die Abb. 17 zeigt das Prinzip des Blower-Door-Prüfverfahren. Dabei wird der Luftaustausch bei einem künstlich erzeugten Druckunterschied gemessen. Dieser Druck liegt so weit über den natürlichen Bedingungen, dass wechselnder Wind oder schwankende Thermik unter einer bestimmten Größenordnung nicht ins Gewicht fallen; sie werden überspielt. Die Messung wird damit reproduzierbar, Anforderungsgrenzwerte können definiert werden, Messungen an unterschiedlichen Standorten werden vergleichbar. Gemäß internationaler Vereinbarung beträgt der Prüfdruck 50 Pa. Nur bei Windstärken, die einen Staudruck ähnlicher Größenordnung erzeugen (Stärke 5 nach Beaufort) wird die Messung zu ungenau. Der Prüfdruck könnte natürlich erhöht werden, aber damit geht die Praxisnähe verloren, und es ergäben sich Schwierigkeiten in der Messdurchführung (abreißende Folien, Fixierung des Spannrahmens). In gleicher Weise kann wahlweise auch Überdruck erzeugt werden. Aus Gründen der Praktikabilität hat man sich in Amerika auf die Messdurchführung bei Unterdruck geeinigt. In Europa sind sowohl Unterdruck- als auch Überdruckmessung üblich (nacheinander, mit anschließender Mittelung der Messwerte). Das Blower-Door ist ein luftdicht eingepasster Ventilator, dessen Förderleistung gemessen werden kann. Die Messung beruht auf einer einfachen Gesetzmäßigkeit: Durch Heraussaugen eines Luftstromes aus dem Gebäude wird ein Unterdruck aufgebaut. Dieser Unterdruck wiederum führt zum Eintritt von Außenluft an allen undichten Stellen der Gebäudehülle. Ist die Förderleistung des Gebläses groß genug, lässt sich durch das Einregeln der Drehzahl ein beliebiger Unterdruck aufrechterhalten. Bei diesem konstanten Unterdruck ist die Gesamtheit einströmender Luft (Leckage) so groß wie der mit dem Blower-Door hinausgeförderte Luftstrom. Der dermaßen erzwungene Luftdurchsatz liegt höher als der natürliche Luftaustausch des Gebäudes. Der gemessene Luftvolumenstrom in m3/h muss nun relativiert werden. Bei einer Sporthalle müssen z. B. größere Werte zulässig sein als beim kleinen Reihenhausabschnitt. Man bezieht diesen Wert also auf: - die Wohnfläche (Kennwert w50), - die Hüllfläche (Kennwert q50), - das Volumen des Gebäudes (Kennwert n50). Der Index 50 steht dabei jeweils für die Ermittlung bei 50 Pa. Das maßgebliche Volumen für den n50 ist das Innen-, nicht das umbaute Volumen! Steht nur die Angabe für das umbaute Volumen zur Verfügung, kann mit einem Abzug von 20 Prozent grob das Innenvolumen ermittelt werden. Beispiel: Bei einem umbauten Raum von 625 m3 = ca. 500 m3 Innenvolumen und einer Gesamtleckage von 2100m3/h ergäbe sich n50 mit 2100/500 = 4,2/h. Das bedeutet, das Raumvolumen tauscht sich beim Prüfdruck über viermal pro Stunde aus. Das wäre, gemessen an der Norm, zuviel. Hier zeigt sich nun ein Vorteil, falls die Messung noch vor dem weiteren Innenausbau erfolgte: Eine Nachbesserung ist einfach möglich. Deren Erfolg ist mit dem Blower-Door wiederum nachweisbar. Ein Blower-Door-Test mit Gebäudepräparation und Lecksuche dauert üblicherweise zwei Stunden. Er kostet für den Standardfall inkl. Anfahrt, Auswertung und Protokoll, je nach Anbieter: 700-1.200 DM. Weitere Prüfverfahren sind der Übersicht zu entnehmen. Die Abb. 18 zeigt ein Beispiel einer Blower-Door-Messreihe (vor und nach der Sanierung). |
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| Einige Hinweise zur Vermeidung von Schimmelpilzen Neuere Erkenntnisse zeigen, dass ausgeglichene Temperaturen im Innenbereich von Wohngebäuden an den Bauteiloberflächen wichtiger sind als das richtige Lüften: (2) Es ist nicht zu vergessen, dass Wohnungen für die Behaglichkeit gebaut werden, ein Mindestluftwechsel aus hygienischen Gründen nicht unterschritten werden darf und ein erhöhter Luftwechsel aus Komfortgründen anzustreben ist. Dieser Luftwechsel ist über die vorgesehenen Öffnungsflächen der Gebäudehülle (z. B. Fenster mit variabel einstellbaren Öffnungsquerschnitten im Falz) herbeizuführen, was nicht damit zu verwechseln ist, dass die Innenschalen der übrigen Bauteile gut luftdicht sein müssen. Die flinke Steuerbarkeit des Raumklimas im allgemeinen und der Bedarfslüftung im besonderen durch die Nutzer muss gewährleistet sein, da diese am besten auf ihre individuellen, physiologischen Bedürfnisse reagieren können. Dabei müssen anlagetechnische Zwangsmaßnahmen, die die Berechenbarkeit der Lüftung für übereifrige Rechenkünstler und Energiesparer verbessert, hintanstehen. Konsequenzen für den Dachschichtenaufbau Wie mehrfach angeführt, ist die Luftdichtheitsebene nicht in jedem Fall nachhaltig funktionssicher einbaubar. Daraus ist nicht zu schließen, dass auf sie in bestimmten Fällen verzichtet werden kann. Es geht vielmehr darum, insbesondere im Altdachzusammenhang Lösungen zu finden, die als gutmütig oder auch fehlertolerant einzustufen sind. Dies hat nichts mit dem bekannten Ideologiestreit: Wärmedämmung überlüften bzw. nicht überlüften, zu tun, sondern folgt einem jahrzehntelangen Erfahrungsgrundsatz. Die nachstehenden Kriterien sollen die Notwendigkeit verdeutlichen, sich ganzheitlich mit jedem Dach zu beschäftigen und eben nicht zu rein rezeptiven Lösungen zu greifen: A. Ausgangssituationen, die für eine Überlüftung der Wärmedämmschicht sprechen
Zusammenfassung |
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